04.08.2010, sechster Tag

Posted by André Naumann • Monday, September 6. 2010
Und weiter gehts...


04.08.2010

Die 12km über den Tjäktjapass waren trotz der kleinen Kilometerzahl nicht weniger anstrengend als alles vorhergegangene... Los gings damit, dass ich schlechter als sonst eingeschlafen bin, weil seit Tagen nicht genug Sonne für die Solarzelle für den MP3-Player schien und direkt an der Hütte ein schöner, aber lauter Wasserfall rauscht. Als ich dann endlich eingeschlafen war, hab ich auch bis zum Morgen durchgeschlafen, war aber schon etwas zerknirscht. Und laut Werner hilft da nur eins! Nen starken Kaffe! Oder zwei normale, je nachdem was der Rucksack eher hergibt :-)

Ergebnis beim Losmarschieren: Is' mir duselig! Und die Preisfrage: Was ist schuld? Zu spät ins Bett? Erkältung im Anmarsch(Ist sie sowieso, aber heut so richtig?)?, Milchpulver im Kaffee oder die dünne Luft auf 1000m Höhe(Merkt man da schon was oder muss man da deutlich höher? Erfahrene Alpinisten vor!)?

Naja, also NOCH LANGSAMER als sonst los, wenigstens hat die Rückenlängenanpassung des Rucksacks geholfen, er sitzt heut deutlich besser als die letzten Tage. Jetzt ist zwar die Wampe dem Beckengurt etwas im Weg, aber wenn ich das Gewicht von den Schultern auf die Hüfte verlager, sackt mit der Hüftgurt nicht mehr über den Hintern in die Nutzlosigkeit ab. Ich hab einfach kein gebärfreudiges Becken, da bleibt nichts hängen.

Ich schlepp mich also den Anstieg zum Tjäktjapass hoch, turn über Geröllfelder und komme Schritt für Schritt näher ans Ziel und werd unterwegs von zwei Leuten überholt, hinten am Rucksack: Birkenstocks und "Der gelbe Sack", Deutsche also. An der Schutzhütte am Pass angekommen treff ich die beiden dann wieder. Die grüßen mit "Hej hej", ich mit "Hallo, ich spreche deutsch" und trotzdem wechseln die beiden immer wieder ins Englische und untereinander reden die beiden irgendein süddeutsches Kauderwelsch. Deutsch als Fremdsprache. Kurz vor dem Pass hatte ein Helikopter eine Familie abgesetzt, die dann ankam, englisch sprach und alles niedlich und entzückend fand und Daddy, stilecht in Knickerbockern und Retro-Anorak musste mit Sohnemann gleich noch eine dritte tibetische Gebetsfahnengirlande zu den beiden bestehenden hängen... Ich find die diesseits vom Himalaya ja herzlich fehl am Platze.

So weit, so gut, das war also der gefürchtete Pass, garnicht SO schlimm bisher Denkste! Runter gehts ja auch noch, der ultimative Test, ob die Schuhe wirklich passen: Es ist so steil, dass die Zehen soweit im Schuh nach vorn rutschen, dass es wehtut(Schuh passt) oder einem die Tränen in den Augen stehen und Mama das Aua-Aua wegpusten soll(Schuh zu klein). Aber: MEINE Schuhe passen, der Abstieg ist geschafft.. Denkste! Das war erst das erste Drittel. Jetzt gehts im strahlenden Sonnenschein dann noch 8km durch Sumpf und Geröllfelder und im Sumpf fehlen teilweise die Laufstege und mancherortens ist der Weg auf 4m Breite zu Matsch getreten. Ich möcht nicht wissen, wie es da NACH den Fjällräven Classics aussieht. Schneller Vorlauf, 4h später: Immer noch Sumpf und Geröll und siehe da! Beim Übersteigen eines größeren Steins seh ich hinter einem Hügel die STF-Flagge wehen! Endlich in Sälka? Da hätt ich meinethalben schon vor 4 Hügeln sein sollen. Wieder runter vom Stein, Flagge wieder weg, vielleicht doch nur eine Fata Morgana... Nächster Stein, gleiches Spiel. Aha! Also doch fast da und die müden, heute in jede erdenkliche und undenkbare Position gedrehten und gebogenen Füße werden wieder munter...

Beim Stugvärd noch ne Cola und was Süßes gekauft. Er verlangt "Fünn-wand-fierßig" Kronen, ich konter mit "fyrtio-fem" und wir einigen uns auf "fyrti-fem" Kronen :-) Zelten kostet wieder mal nichts, wenn man nicht in Küche oder Sauna will, aber das Zelt der Schweizer vom Alesjaure ist wieder da. Darüber hatte ich nichts geschrieben, weil ja kein Meister vom Himmel fällt, aber mich hinter vorgehaltener Hand wegen meines Hutes als "Texas Ranger" bezeichnen und nebenbei Maccaroni(ja, DICKE NUDELN mit EXTRA VIEL Garzeit) unabgedeckt(Dampft ja keine Hitze raus aus dem Topf und der vorhandene Teller könnt ja nass werden) ohne Windschutz in der Abendbrise kochen könnte länger dauern und Kartuschen für den Campingaz-Kocher dürften in Nordschweden auch eher Seltenheitswert haben(da ist eher ein anderes, nicht kompatibles Kartuschensystem üblich)... Während das Nudelwasser also angestrengt versucht auf Betriebstemperatur zu kommen, waschen sich die beiden noch ausgiebig direkt im Fluss(natürlich mit Seife), während sich weiter unten ein Saunagast abkühlt und auch gleich nen Eimer Wasser für den Aufguss mitnimmt. Mjam, Seifensauna... Deo hat man natürlich auch gleich dabei, man könnt ja an ner Disko vorbeilaufen und schon beim ersten kleinen Tropfen Nieselregen hat der ganze Spuk ein Ende und die Jungs verschwinden in den Zelten, der Kocher wird abgeschaltet und kommt gleich mit, während mich mein angeblicher "Cowboy-Hut"(der eigentlich mehr Indiana Jones als John Wayne ist) lang genug trockenhält, um mich von der Isomatte zu erheben, die leere Coladose zu verstauen und dann in aller Ruhe mein Zelt aufzubauen. Danach gabs dann noch nen Kartoffeltopf mit Lauch, Karotten und Hackfleisch im trockenen Vorzelt statt halbgarer Maccaroni. Tja, schließlich ist Chuck Norris der Texas Ranger und für den macht sogar der Regen Platz :-D

Kurz darauf trudelt dann auch der Rest der Truppe ein, dem Zelt nach sind das die Nachtwanderer, die am Alesjaure nachts so rumgelärmt haben. Naja, morgen gehts nach Singi, danach muss ich keine Angst mehr vor der Fjällräven-Meute mehr haben und auch von den Mitwanderern hier werden hoffentlich einige nach Nikkaluokta abbiegen, den Fjällräven Classics entgegen, während ich auf dem klassischen Kungsleden weiter gen Süden ziehe.










Last modified on 2011-09-11 15:37
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03.08.2010, fünfter Tag

Posted by André Naumann • Monday, September 6. 2010
Lang hab ich mich gedrückt und ich hab auch immer noch keine Lust, die 50 Bilder von diesem Reisetag hier reinzukleben(jedes Bild kostet so geschätzte 5-10 Mausklicks), aber
zum Glück gibts ja Googles Picasa :-)


03.08.2010

Ungewöhnlich früh war ich wach und hab versucht, es den Bonnern nachzumachen und in den See zu steigen, aber der drohende Herzstillstand durch Kälte zwang mich dann doch zur Katzenwäsche, die den Gestank wohl nur kurzzeitig aufhalten wird, aber nachts ists doch kälter als draußen und der Abend wohl die bessere Zeit zum Baden. Zum Glück schlaf ich allein im Zelt.

Nach einer Doppelportion Frühstück(muss ja weg und ich hatte bisher eh zu wenig gegessen) ging es gegen 9 vor den anderen dreien los, völlig entgegen meiner Überzeugung, dass vor 11 sowieso nichts zu reissen ist. Und so langsam hab ich auch mein Tempo gefunden oder es hat mich gefunden: Nicht losrasen wie ein Gaskranker, sondern immer schön langsam und stetig dahintrotten, dann schmilzen die Kilometer langsam, aber sicher dahin. Und so kam es dann auch, dass mich die Bonner erst nach gut 1,5h eingeholt hatten, obwohl sie um 9 auch schon startklar waren und relativ bald nach mir gestartet sein müssen. So haben wir uns dann den Vormittag über ein Elefantenrennen geliefert, bei dem einer den anderen immer während einer Rast überholt hat.

Im letzten Drittel der Strecke musste ich aber passen, denn ab der Renhirtenhütte ging es zum einen stetig und teils auch recht steil bergauf und zusätzlich dazu hat mir mein Darm auch mitteilen wollen, dass das am Morgen vielleicht doch etwas zuviel oder zu fette Milch war. Und da draussen geht zwar EINIGES, aber Durchfall verlangt bei mir eher nach einer kontrollierten Entladung auf einer halbwegs anständigen Toilette. Und so stand mir dann auch nach jeder Sitzpause auf feuchten Steinen(ja, es nieselte mal wieder) der Angstschweiss auf der Stirn, aber es war dann doch immer nur Wasser, dass die Hose klamm machte :-)

Auf der Hütte dann erstmal erleichtert und danach prompt beim Stugvärd in die gute Stube geplatzt, einen Shop oder eine Rezeption oder so gibts auf der vergleichsweise kleinen Tjäktjahütte nicht. Er hats mir aber wohl nicht übelgenommen und zeigte mir einen netten Zeltplatz mit Blick auf den Bach unterhalb des rauschenden Wasserfalls. Morgen kommt dann die Königsetappe, rauf auf den Tjäktjapass, den höchsten Punkt des Kungsleden und dann immer schön bergab zur nächsten Hütte, insgesamt sollen es 12km werden, aber mit dem Verdauungsproblem heute waren schon 13km eine Herausforderung.


Bilder von diesem Tag gibts hier
Last modified on 2010-09-06 20:44
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